Glossar zu den Texten über Buddhismus
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Befreiung
Bezeichnet die Befreiung vom Kreislauf der Existenz. Geisteszustand, in dem alles Leid – zusammen mit den Ursachen für Leid – vollkommen überwunden ist. Im Theravada entspricht dies der Arhatschaft, im Mahayana der ersten Bodhisattva-Stufe.

Buddha (tib.: sangye), wörtl. der Erwachte oder Erleuchtete
Jemand, der alle Schleier im Geist vollkommen gereinigt und alle Qualitäten, besonders die Allwissenheit, vollständig entfaltet hat (Buddhaschaft). Der Buddha unserer Zeit ist der historische Buddha Shakyamuni, der vierte von insgesamt 1.000 Buddhas dieses Zeitalters.

Buddha-Natur
Die Natur des Geistes, die Essenz oder das Potenzial der Buddhaschaft, das in allen fühlenden Wesen gegenwärtig ist.

Diamantweg
Die Bezeichnung Diamantweg ist eigentlich nur die Übersetzung des Wortes Vajrayana (siehe unten); sie hat sich aber für einen besonders lebensnah vermittelten Vajrayana-Buddhismus eingebürgert, der in der Tradition der tibetischen Karma Kagyü Linie (gesprochen "Kadschü") gelehrt wird. Sie legt besonderen Wert auf die direkte Übertragung der Erfahrung von der Natur des Geistes vom Lehrer zum Schüler. Ihr Gründer Marpa (1012-1097) brachte besondere Übertragungen des Buddhismus von Indien nach Tibet. Sein Nachfolger Milarepa wurde als Dichter und Mystiker berühmt. Die Kagyü-Schule enthält auch die Überlieferung Padmasambhavas und Atishas und wird seit dem 12. Jahrhundert von Gyalwa Karmapa geleitet. Das spirituelle Oberhaupt der Diamantweg-Zentren ist der 17. Karmapa Thaye Dorje.

Erleuchtung
Geisteszustand eines Buddhas, bei dem selbst die feinsten Schleier der Unwissenheit beseitigt sind und vollkommene Allwissenheit verwirklicht ist.
(Wer die Raumnatur des Geistes versteht wird furchtlos, weil der Geist kein Ding ist und daher niemals zerstört werden kann. Das Erscheinen der Dinge im Raum oder die Klarheit des Geistes wird als höchste Freude erlebt, und dass Raum und Freude völlig untrennbar voneinander sind, zeigt sich als Liebe und Mitgefühl. Letztere sind gleichzeitig Aspekte der Unbegrenztheit des Geistes.
Die drei Qualitäten von Furchtlosigkeit, Freude und Mitgefühl drücken perfekt die Natur des Geistes aus die sich bei der Buddhaschaft zeigen.)

Geist
Allgemeiner Ausdruck für die Klarheit und Erlebnisfähigkeit, die die Grundlage für alles bildet, was erlebt wird. Anstatt die offene, klare Unbegrenztheit des Geistes, seine wahre Natur, zu erkennen, lässt man sich meistens von den Erlebnissen im Geist gefangen nehmen, die wie die Bilder im Spiegel kommen und gehen.

Hinayana, wörtl. Kleines Fahrzeug
Wird nur aus der Perspektive des Großen Fahrzeugs als klein bezeichnet, da der Schwerpunkt der Praxis hier auf die Befreiung des Einzelnen vom Kreislauf der Existenz ausgerichtet ist.
Da sich aber die Inhalte dieses Fahrzeugs zum größten Teil mit denen des Mahayana decken, sollte es gemeinsam mit den Praktizierenden dieses Fahrzeugs angemessener als Theravada, das Fahrzeug der Älteren in der Gemeinschaft, bezeichnet werden. Es ist identisch mit dem Südlichen Buddhismus.

Inkarnation
Von der Ebene der Befreiung aus kann man sich bewusst zum Wohl der Lebewesen im Kreislauf der Existenz inkarnieren, um anderen zu helfen, Befreiung vom Leid zu erreichen. Die höchsten bewusst wiedergeborenen Lehrer, wie z.B. Gyalwa Karmapa, müssen als perfekte Inkarnation mindestens auf der 8. Bodhisattva-Stufe sein.

Kagyü-Tradition
Eine der vier Hauptschulen des Tibetischen Buddhismus. Geht auf Lehren zurück, die von Marpa, dem Übersetzer, im 11. Jahrhundert von Indien nach Tibet gebracht wurden.
Diese Lehren gelangten über die Meister Milarepa und Gampopa zum 1. Karmapa, der seit dem 12. Jahrhundert der Hauptlehrer der Linie ist. Der Schwerpunkt wird hier auf die Praxis der Meditation gelegt, basierend auf der unmittelbaren Übertragung der Verwirklichung vom Lehrer zum Schüler.

Karma
Handlungen, das Gesetz von Ursache und Wirkung. Alle körperlichen, verbalen und geistigen Handlungen hinterlassen Eindrücke im Geist, deren Resultate wiederum in den Erfahrungen dieses und weiterer Leben heranreifen. Schädliche Handlungen bringen Leid, positive Glück.
Ein Verständnis von Karma bedeutet, dass wir mit unseren Handlungen hier und jetzt unsere eigene Zukunft bewusst bestimmen können.

Karmapa, wörtl. "Herr der Buddha-Aktivität"
Oberhaupt der Karma-Kagyü-Linie des Tibetischen Buddhismus.
Wurde vom historischen Buddha vorhergesagt („Mann mit der Schwarzen Krone“) als Verkörperung der mitfühlenden Aktivität aller Buddhas. Der 2. Karmapa war der erste bewusst wiedergeborene Lama Tibets. Der 16. Karmapa Rangjung Rigpe Dorje brachte die Kagyü-Lehren in den Westen, S.H. der 17. Karmapa Thaye Dorje ist das derzeitige Oberhaupt der Linie.

Laienbuddhismus
Ein Weg, Buddhas Lehre mit dem normalen Alltag in der Gesellschaft zu verbinden.
Wurde bereits von Buddhas direkten Schülern und von vielen Meistern des alten Indien praktiziert.

Lama, wörtl. Höchste Mutter
Meditationslehrer des Tibetischen Buddhismus. Der Begriff weist auf das Mitgefühl einer solchen Person hin, das so stark ist wie das einer Mutter für ihr einziges Kind. Im Diamantweg ist er der Schlüssel für die tiefgründigen Unterweisungen.

Mahamudra (tib.: chag chen), wörtl. das Große Siegel
Ausdruck für die höchste Form der Meditation im Diamantweg und besonders in der Kagyü-Tradition. Es beinhaltet Grundlage, Weg und Ziel und ist die Quintessenz aller buddhistischen Lehren.

Mahasiddhas oder Siddhas
Große verwirklichte Meister des Diamantwegs. Traditionell wird eine Gruppe von 84 Mahasiddhas im alten Indien genannt, die aus allen sozialen Schichten kamen und außergewöhnliche Fähigkeiten entwickelten. Der wichtigste Meister unter ihnen war Saraha.

Mahayana, wörtl. das Große Fahrzeug
Seine Praktizierenden haben den Wunsch entwickelt, die Erleuchtung zu erlangen, um alle fühlenden Wesen vom Leid zu befreien. Er wird auch als Bodhisattva-Weg bezeichnet und ist identisch mit dem Nördlichen Buddhismus. Seine Grundlage ist die Entwicklung von überpersönlichem Mitgefühl und allumfassender Weisheit.

Meditation
Das praktische Mittel, um das eigene Potenzial zur Erleuchtung zu erkennen. Durch Meditation wird vorher bloß Verstandenes zur eigenen Erfahrung.
Der Begriff „Meditation“ bedeutet „müheloses Verweilen in dem, was ist“. Auf jeder buddhistischen Ebene verwendet man dafür unterschiedliche Mittel, die aber alle auf dem Beruhigen des Geistes und dem Entwickeln von Einsicht beruhen.
Im Diamantweg identifiziert man sich mit Formen aus Energie und Licht als Ausdrucksformen der Erleuchtung.

Rinpoche, wörtl. der Kostbare
Ehrentitel für einen verwirklichten Lehrer, speziell für einen bewusst wiedergeborenen Lama.

Reine Sichtweise
Grundlegende Sichtweise im Diamantweg, bei der man sich darin übt, die Welt aus der Sicht eines Buddhas zu erleben.

Tibetischer Buddhismus
Eine der drei Haupttraditionen im Buddhismus neben Theravada und Zen. Wurde um 750 n. Chr. vom indischen Meister Padmasambhava gegründet und enthält bis heute die einzig vollständige Überlieferung von Buddhas Lehren mit Schwerpunkt auf dem Diamantweg.

Übertragung
Weitergabe der Verwirklichung von der Natur des Geistes. Eine vollständige Übertragung im Diamantweg besteht aus einer Einweihung (tib.: wang), einer Übertragung durch Lesen (tib.: lung) und einer Erklärung für die Meditationspraxis (tib.: thri).

Vajrayana (tib.: dorje thegpa): Diamantweg
Identisch mit dem Tibetischen Buddhismus und mit dem Tantra- oder Mantra-Fahrzeug; unterscheidet sich vom allgemeinen Großen Fahrzeug vor allem durch die kraftvollen Methoden der Identifikation mit Erleuchtung.

Verwirklicher(in)
Praktizierende(r) des Diamantweges (Yogi).

Wiedergeburt
Neue Verkörperung im nachfolgenden Leben, folgt im Normalfall unfreiwillig den stärksten Gewohnheitstendenzen des letzten Lebens. Eine Wiedergeburt kann aber auch bewusst auf der Grundlage von guten Wünschen zum Wohl der Wesen geschehen, wenn die Natur des Geistes weitgehend erkannt wurde.

Yogi, weibliche Form Yogini
Traditioneller Begriff für Verwirklicher(in), Praktizierende(r) des Diamantwegs.

 

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